Abhängigkeitserkrankungen

Abhängigkeitserkrankungen sind komplexe Erkrankungen, bei denen neurobiologische, psychische und soziale Faktoren eng miteinander verwoben sind. Wiederholter Substanzkonsum (z.B. Alkohol, Nikotin, Kokain) oder suchtbezogenes Verhalten (Glücksspiel, Gaming, Essen) kann das Belohnungssystem des Gehirns nachhaltig verändern und zu einem Verlust der Kontrolle, starkem Verlangen (Craving) und Rückfällen führen – selbst bei hoher Motivation zur Veränderung. Typische Folgen einer Erkrankung reichen von innerer Unruhe, depressiven Verstimmungen und Konzentrationsproblemen bis hin zu Schlafstörungen und körperlichen Begleiterkrankungen.


Was sind die Ursachen von Abhängigkeitserkrankungen?

Abhängigkeitserkrankungen entstehen aus dem Wechselspiel von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren (‚bio-psycho-soziales Modell‘):

Biologische Faktoren beinhalten eine genetische Veranlagung, welche das Belohnungssystem, die Stressverarbeitung und den Stoffwechsel beeinflussen. Durch den wiederholten Konsum / Verhalten verändert sich das Belohnungssystem (z.B. Dopaminpfade), was Toleranz, Entzug und zwanghaftes Verlangen verstärkt.

Bei psychischen Störungen mit Veränderungen der Stressbewältigung, wie Depressionen, Angst- und Traumafolgestörungen (z.B. PTSD), Psychosen oder auch bei Neurodivergenz (z.B ADHS, ASS) mit Störungen der emotionales Regulierung ist das Risiko für Abhängigkeitserkrankungen deutlich erhöht.

Zusätzliche Treiber einer Abhängigkeitserkrankung sind soziale und umweltbezogene Faktoren, wie vorgelebter Konsum, fehlende Bindungsqualität zu nahen Bezugspersonen (z.B. mit Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen) aber auch hoher Leistungsdruck, Arbeits- oder Beziehungskonflikte, Armut, Einsamkeit, Verfügbarkeit legaler und illegaler Substanzen / Verhaltensmöglichkeiten sowie soziale Gruppennormen (z.B. ‚jeder trinkt, raucht, schnupft mit‘).

Zusammenfassend entsteht eine Abhängigkeitserkrankung, wenn eine biologische Anfälligkeit auf psychische Belastungen und ungünstige Lebensumstände trifft, die der Mensch über den Konsum bzw. das Verhalten kurzfristig lindern will, was im Gehirn und Verhalten selbstverstärkend wird


Wie behandeln wir Abhängigkeitserkrankungen?

Zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen setzen wir ambulante repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ein. Während der ersten 2 Wochen findet tägliche eine Behandlung statt, dann während vier weiteren Wochen in der Regel nochmals je 2 Sitzungen. Zur Normalisierung der Stress- und emotionalen Selbstregulation bieten wir bedarfsweise ein gleichzeitiges Neuro-/Biofeedback-Training (NFB/BFB) an.

Die Behandlung zielt darauf ab, das Gleichgewicht im Gehirn wiederherzustellen und damit den Umgang mit Auslösern zu verbessern und Rückfällen vorzubeugen.

 

Wie geht es nach der Behandlung weiter?

Das strukturierte Behandlungsprogramm umfasst mehrere Sitzungen und unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, Selbstkontrolle und Stabilität langfristig zu stärken. Bei Bedarf können Auffrischungseinheiten helfen, erreichte Fortschritte nachhaltig zu sichern und Rückfällen vorzubeugen.